Nachricht an die Redaktion

    Ihre Nachricht an uns


    Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

    Vorsorgemappe

    Newsletter abonnieren & kostenlose Vorsorgemappe anfordern.

    Der digitale Nachlass

    Newsletter abonnieren & das Dokument "Der digitale Nachlass" anfordern.


    DIA Update

    Abonnieren Sie den kostenlosen
    Newsletter des DIA.

    Demographie

    In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

    Demographie | 14.11.2018 Drucken

    Sozialer Aufstieg programmiert – Altern in Sparta

    Altersvorsorge, Altersgrenzen, Altersarmut – viele Fragen drehen sich um das Alter. Doch was ist eigentlich das Alter und wann gilt man als alt?

    Vielfältig und ganz unterschiedlich haben westliche Gesellschaften der letzten Jahrtausende auf diese Fragen geantwortet. Dabei zeigen schon wenige beispielhafte Entwicklungen und Perspektiven von Athen bis in unsere Zeit, dass unser heutiges Verständnis vom Alter nicht so universell und selbstverständlich ist, wie wir häufig annehmen oder vielleicht gerne hätten.

    Sparta„Wann nur werden die Athener nach dem Beispiel der Lakedämonier [d.h. Spartaner] dahin gelangen, ihre Ältesten zu achten, sie, die mit der Verachtung der Greise bei ihren Vätern beginnen.“ – Xenophon

    Auch wenn Athen große Dichter, Philosophen, Staatsmänner und Künstler hervorbrachte, war doch Sparta lange Zeit der politisch und militärisch dominante Stadtstaat auf der Peleponnes. Wie sich die Ansichten der beiden zu vielen gesellschaftlichen und politischen Fragen sich massiv unterschieden, lagen sie auch beim Thema Alter diametral auseinander. Während in Athen dem Alter tendenziell Verachtung entgegenschlug, schlug Alter in Sparta alles. Entschied in Athen der Besitz über den sozialen Status, gelangte man in Sparta nämlich nur über das entsprechende Alter zu Einfluss und Ansehen.

    Bekanntermaßen hatten die Spartaner, wie sich in ihrem lakonischen Sprachstil ausdrückt, ein eher skeptisches Verhältnis zu ausgeprägter Rhetorik und überhaupt zu Schriftlichkeit. Auch aus diesem Grunde kam tradiertem Wissen und Lebenserfahrung ein immenser Stellenwert zu. Gleichzeitig wurde im kollektivistischen Sparta die Familie als Rechtsform regelrecht abgeschafft. Die Gesellschaft konnte daher nicht nach Besitz oder erblichem Status strukturiert werden. So lag es nicht ganz fern, dass man stattdessen das Alter zum Ordnungsprinzip und die Ältesten an die Spitze der Gesellschaft erhob.

    Mit 30 alt genug fürs Soldatenleben

    Während die Mädchen zu Hause bei der Mutter und anderen Frauen ausgebildet wurden, begann für die Jungen mit 7 Jahren die Agogé, die staatliche Ausbildung fern der leiblichen Familie. Diese sollte in der ersten Altersstufe bis 14 Jahren weniger der geistigen als vielmehr der körperlichen Ertüchtigung dienen und den bedingungslosen Gehorsam gegenüber den Älteren einschärfen. Im Alter von 14 bis 20 wurden die Jugendlichen vor allem mit Kampf- und Kriegstechniken vertraut gemacht. Mit dem Ausscheiden aus der Agogé im Alter von 30 Jahren galten Spartaner dann als „alt“. Dies war eine eindeutige und harte Grenze. Sie ermöglichte zwar einerseits die Stimmabgabe in der Volksversammlung, bedeutete aber zugleich auch den obligatorischen Eintritt in ein bis zu 30 Jahre andauerndes Soldatenleben. Auch nach einer Heirat waren Männer selten bei ihrer Frau und Kindern. Sie verbrachten die meiste Zeit in der Gemeinschaft ihrer gleichaltrigen Kameraden.

    Ab 60 lebenslang im Ältestenrat

    Dank diesem vorgezeichneten Lebensweg hatte das Alter eine starke Vorhersagekraft für den Erfahrungsschatz eines Spartaners. Wer trotz Krankheit und Krieg das 60. Lebensjahr erreichte, wurde lebenslanges Mitglied der Gerusia, dem Ältestenrat und zentralem Ort der Macht in Sparta. Deshalb wird auch von einer Gerontokratie (Herrschaft der Alten) gesprochen. Was für die Spartaner selbstverständlich war, sorgte bei anderen Zeitgenossen eher für Befremdung. So kritisiert beispielsweise Aristoteles, dass ein lebenslanges Stimmrecht der Alten für wichtige Entscheidungen eine gefährliche Sache sei. Einerseits lasse sowohl die Intelligenz wie der Körper früher oder später nach. Andererseits bedeute reines Lebensalter nicht automatisch Tugendhaftigkeit. Schließlich „vergifte einen das Leben, umso mehr man davon trinkt“.

    Zentrum der gesellschaftlichen Macht

    Die Spartaner sahen das anders. Alter war der Inbegriff von Weisheit und Klugheit. Es wurde so hochgehalten, dass es die Autorität und Unantastbarkeit eines Heiligtums verströmte – und damit auch die Alten selbst. Junge Spartaner hatten sich den älteren unterzuordnen. Den Alten stand es frei, die Jungen zu belehren, zu tadeln oder körperlich zu strafen. Xenophon zufolge sollten in Sparta die jungen Menschen die Hände unter dem Gewand halten, schweigend gehen und ihre Augen nur vor sich richten. Auch bei gemeinsamen Mahlzeiten oder Ritualen gab es klar nach Alter strukturierte Hierarchien. Mit dem Alter kamen Erfahrung, Wissen und Tapferkeit, die einen unüberbrückbaren Erkenntnisvorsprung lieferten. Sie verliehen den Alten ihr fundamentales politisches Gewicht. Standen sie in Athen am Rand der Gesellschaft, so waren sie in Sparta das Zentrum der gesellschaftlichen Macht.

    Nachricht an die Redaktion

    Senden Sie Hinweise, Lob oder Tadel zu diesem Artikel an die DIA Redaktion.

    Nachricht an die Redaktion

    Haben Sie Anmerkungen oder Fragen zu diesem Beitrag? Schreiben Sie uns gern! Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

      Ihre Nachricht an uns


      Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

      Artikel teilen

      [contact-form-7 404 "Nicht gefunden"]
      Ausgewählte Artikel zum Thema
      Alte in Athen

      Betagt, beklagt, verklagt – Athen und seine Alten

      Altersvorsorge, Altersgrenzen, Altersarmut – viele Fragen drehen sich um das Alter. Doch was ist eigentlich das Alter und wann gilt man als alt? Vielfältig und ganz unterschiedlich haben westliche Gesellschaften der letzten Jahrtausende auf diese Fragen geantwortet. Dabei zeigen schon wenige beispielhafte Entwicklungen und Perspektiven von Athen bis in unsere Zeit, dass unser heutiges Verständnis […]

      Artikel lesen
      Arbeiten-Rente

      Altersbilder wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts

      Unsere Altersbilder hinken der Zeit hinterher. Sie haben ihre Wurzeln im beginnenden 20. Jahrhundert. Trotz zahlreicher Initiativen und Appelle aus Politik und Bürgerschaft hat sich daran bislang nur wenig geändert. In einem fernöstlichen Sprichwort heißt es: „Die größte Kulturleistung eines Volkes sind die zufriedenen Alten“. Objektiv müssten die Deutschen in der zweiten Lebenshälfte zufriedener sein […]

      Artikel lesen
      Uwe Amrhein

      Altersbilder passen nicht in Schubladen

      Was wird aus 60-jährigen Dachdeckern? Wie versichert man sich gegen Einsamkeit im Alter? Wer springt ein, wenn die traditionellen Familienbande nicht mehr funktionieren? Eine Diskussion mit Uwe Amrhein vom Generali Zukunftsfonds über Altersbilder, Nachholbedarf und die Zivilgesellschaft. Ältere Menschen sind heute wesentlich fitter als früher. Sie unternehmen Dinge, an die Gleichaltrige vor einigen Jahrzehnten nicht im […]

      Artikel lesen